Neuroathletik als Denkweise - nicht als Marketing Schlagwort

Neurozentriertes Training – Bewegung beginnt im Gehirn

Neuroathletik bzw. neurozentriertes Training basiert auf der Erkenntnis, dass jede Bewegung im Gehirn entsteht und durch das Nervensystem gesteuert wird. Dabei stehen nicht einzelne Muskeln oder Gelenke im Mittelpunkt, sondern die Systeme, die Bewegung planen, koordinieren und kontrollieren. Meine Ausbildung im Bereich Neuroathletik habe ich bei Lars Lienhard absolviert und nutze die dort vermittelten Konzepte nicht als Marketingbegriff, sondern als wertvolles Werkzeug innerhalb meiner sporttherapeutischen Arbeit.

Besonders bei Verletzungen, chronischen Beschwerden oder langwierigen Rehabilitationsverläufen eröffnet die Betrachtung der bewegungssteuernden Systeme häufig neue Perspektiven. Dazu gehören insbesondere das visuelle System (Sehen), das vestibuläre System (Gleichgewicht) und das propriozeptive System (Körperwahrnehmung). Diese drei Systeme liefern dem Gehirn kontinuierlich Informationen darüber, wo wir uns befinden, wie wir uns bewegen und wie sicher eine Bewegung eingeschätzt wird.

Erhält das Gehirn unklare, widersprüchliche oder unzureichende Informationen aus einem oder mehreren dieser Systeme, kann sich dies unter anderem in Bewegungseinschränkungen oder sich wiederholenden Technikfehlern, Unsicherheit, verminderter Leistungsfähigkeit oder anhaltenden Beschwerden zeigen. Die gezielte Untersuchung und das Training dieser Systeme bieten daher eine große Chance, Rehabilitation und Training effektiver und nachhaltiger zu gestalten.

Für mich bedeutet moderne Rehabilitation, den Menschen als Gesamtsystem zu betrachten. Neben den klassischen orthopädischen und sporttherapeutischen Ansätzen beziehe ich deshalb auch die neurologischen Grundlagen von Bewegung in die Analyse und Behandlung ein. Nicht als Ersatz, sondern als Grundlage und sinnvolle Ergänzung, die häufig entscheidende Puzzleteile sichtbar macht.

Eine erfolgreiche Rehabilitation sollte aus meiner Sicht nicht ausschließlich an Zeitplänen orientiert sein, sondern vor allem an der tatsächlichen Funktion. Der Abschluss einer Rehabilitation ist dann erreicht, wenn Belastbarkeit, Bewegungsqualität und Vertrauen in den eigenen Körper wiederhergestellt sind – nicht, wenn eine bestimmte Anzahl an Wochen vergangen ist. Wer Bewegung ganzheitlich verstehen und nachhaltig verbessern möchte, sollte die Neurologie daher nicht ausklammern, sondern als festen Bestandteil des Rehabilitationsprozesses betrachten.